Erdbeerfeld mit reifen roten Erdbeeren in einem Gartenbeet

Erdbeeren pflegen und düngen – richtig gemacht

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Erdbeeren sind dankbar. Das sagen viele Gärtner, und im Großen und Ganzen stimmt es. Aber dankbar heißt nicht pflegeleicht. Wer im Juni eine ordentliche Ernte will, muss im April und Mai die Weichen stellen. Das betrifft vor allem das Düngen, den Rückschnitt und den richtigen Umgang mit Ausläufern.

Ich habe in meiner Gärtnerei über Jahrzehnte beobachtet, wie Erdbeeren gedeihen und wie sie versagen. Der häufigste Fehler ist nicht falsches Gießen oder falsche Lage. Es ist das Vernachlässigen im Frühjahr, wenn die Pflanzen gerade aus dem Winter kommen und am meisten brauchen.

Was im Frühjahr sofort getan werden muss

Sobald der Frost aus dem Boden ist, meist Ende März oder Anfang April in Oberschwaben, gehen Sie durch Ihre Erdbeerbeete und schauen genau hin.

Altes Laub entfernen. Überwinterndes, braunes Laub ist ein Pilzreservoir. Pilzkrankheiten wie Grauschimmel (Botrytis cinerea) überwintern im abgestorbenen Blattwerk und befallen im Frühjahr die frischen Triebe. Reißen Sie die alten Blätter sauber aus, brechen Sie sie nicht ab. Was schon angegangen aussieht, kommt in den Hausmüll, nicht auf den Kompost.

Mulchschicht kontrollieren. Wer im Herbst mit Stroh gemulcht hat: das Stroh jetzt etwas zur Seite schieben, damit der Boden sich erwärmen kann. Sobald die Blüten kommen, das Stroh wieder rund um die Pflanzen legen. So bleiben die Früchte sauber und Feuchtigkeit wird gehalten.

Wurzelunkräuter entfernen. Quecke, Giersch und Löwenzahn konkurrieren direkt mit den Erdbeeren um Wasser und Nährstoffe. Im Frühjahr sind die Böden noch feucht, die Wurzeln lassen sich vollständiger herausziehen als im Sommer. Diese Arbeit lohnt sich.

Erdbeeren düngen: wann und womit

Erdbeeren brauchen im Frühjahr Unterstützung. Die Pflanzen schieben jetzt gleichzeitig neues Laub, Ausläufer und bald die Blütenstände. Das kostet Energie.

Der richtige Zeitpunkt: Gedüngt wird, wenn die neuen Triebe zu wachsen beginnen, also bei uns typischerweise Anfang bis Mitte April. Nicht früher. Bei gefrorenem Boden kann der Dünger nicht aufgenommen werden und wird ausgewaschen.

Welcher Dünger? Reifer Kompost ist meine erste Wahl. Eine 2 bis 3 Zentimeter dicke Schicht um die Pflanzen herum, nicht über die Krone. Kompost anlegen lohnt sich schon allein deshalb. Wer keinen eigenen hat: ein organischer Volldünger mit mittlerem Stickstoffgehalt und gutem Kaliumanteil ist das Richtige. Kalium fördert die Fruchtqualität, Fruchtfleisch und Aroma.

Was ich nicht empfehle: frischen Stallmist. Er enthält zu viele Nährstoffe auf einmal und fördert üppiges Blattwachstum auf Kosten der Früchte. Ähnliches gilt für stickstoffbetonte Rasendünger. Die Pflanze wächst dann zwar prächtig, liefert aber wenig und oft matschige Früchte.

Zweite Düngegabe nach der Ernte. Viele vergessen das. Nach der Haupternte im Juni oder Juli brauchen die Pflanzen nochmals Nährstoffe, um neue Ausläufer und Blütenknospen für das Folgejahr zu bilden. Ein zweiter Kompostauftrag oder eine Gabe Brennnesseljauche zu diesem Zeitpunkt macht sich im nächsten Jahr bezahlt. Brennnesseljauche ansetzen ist kein Aufwand und kostet nichts.

Erdbeerpflanzen mit reifen roten Früchten und grünen Blättern im Beet
Gut gepflegte Erdbeerpflanzen tragen reich. Regelmäßige Düngung und Pflege zahlen sich aus.

Gießen: immer von unten, nie von oben

Erdbeeren wollen regelmäßig Wasser, aber keine Staunässe. Besonders in der Blüte- und Fruchtreifephase ist gleichmäßige Feuchtigkeit entscheidend. Schwankungen, also erst trocken, dann übergossen, führen zu aufgeplatzten Früchten.

Immer bodennah gießen, nie von oben. Wasser auf Blättern und Früchten fördert Grauschimmel. Wenn Sie morgens gießen, trocknet das Laub tagsüber ab. Abendliches Gießen von oben ist das Dümmste, was man machen kann.

Ein Bewässerungssystem mit Tröpfchenschläuchen ist bei Erdbeeren Gold wert. Ich habe es in meiner Gärtnerei seit Jahren und spare damit sowohl Wasser als auch Pilzkrankheiten.

Ausläufer: nehmen oder lassen?

Im Sommer, nach der Ernte, treiben Erdbeerstauden massenweise Ausläufer. Das sind lange, dünne Ranken, an deren Ende sich neue Tochterpflanzen bilden. Was damit tun?

Wenn die Hauptpflanzen alt sind (über 3 Jahre): Ausläufer mit den besten Tochterrosetten einwurzeln lassen, die alten Mutterpflanzen danach entfernen. Erdbeeren vergreisen. Nach dem dritten oder vierten Jahr lässt der Ertrag deutlich nach.

Wenn die Hauptpflanzen noch jung und ertragreich sind: Ausläufer regelmäßig abschneiden. Sie saugen Kraft aus der Mutterpflanze und mindern den Ertrag. Ausläufer an jungen Pflanzen werden konsequent entfernt, solange die Pflanze noch produktiv ist.

Wann Ausläufer bewurzeln lassen: Stecken Sie die Tochterrosette in kleinen Töpfen mit Erde fest, ohne den Ausläufer abzutrennen. Nach 3 bis 4 Wochen ist sie selbstständig verwurzelt. Dann abschneiden, einige Wochen weiter im Topf ziehen und im August oder September an den neuen Standort pflanzen.

Standortwechsel planen

Erdbeeren sollten nicht länger als 4 Jahre am gleichen Fleck stehen. Bodenmüdigkeit tritt ein: Nährstoffe werden einseitig abgebaut, spezifische Schaderreger reichern sich an, der Ertrag fällt.

Planen Sie den Standort so, dass Sie alle 3 bis 4 Jahre umsetzen können. Gute Vorfrüchte für Erdbeeren sind Salat, Kräuter oder Kohlgemüse. Schlechte Vorfrüchte sind Tomaten, Kartoffeln und Paprika, weil diese Nachtschattengewächse dieselben Bodenpilze wie Erdbeeren fördern können.

Im Gartenkalender August kommt dann die neue Pflanzung. Erdbeerneupflanzungen im August oder September liefern im ersten Folgejahr bereits eine ordentliche Ernte.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Zu tief pflanzen. Die Krone, also der zentrale Wuchspunkt der Pflanze, muss an oder knapp über der Bodenoberfläche liegen. Zu tief gepflanzte Erdbeeren faulen an der Krone. Zu flach gepflanzte trocknen aus. Auf Niveau pflanzen.

Im Frühjahr zu früh düngen. Gedüngt wird, wenn die Pflanze wächst. Nicht wenn der Boden noch kalt ist.

Zu wenig Abstand. Erdbeeren brauchen mindestens 30 Zentimeter Abstand in der Reihe, besser 35. Enge Abstände fördern Pilzkrankheiten durch schlechte Luftzirkulation. Im Hochbeet kann man etwas enger pflanzen, weil die Drainage und Luftzirkulation besser sind.

Vergreiste Pflanzen behalten. Ein häufiger Fehler. Alte Erdbeerpflanzen sehen noch gesund aus, liefern aber kaum mehr. Nach 3 bis 4 Jahren konsequent erneuern.

Schädlinge und Krankheiten

Grauschimmel ist die häufigste Krankheit. Entstehungsbedingungen: Feuchtigkeit, enge Pflanzung, überständige Früchte. Gegenmittel: von unten gießen, altes Laub entfernen, reife Früchte sofort ernten.

Erdbeerspinnmilben treten bei Trockenheit und Wärme auf, typischerweise im Hochsommer. Blätter verfärben sich gelblich-bronzen. Bei stärkerem Befall Brennnesseljauche spritzen, in sehr schlimmen Fällen mit Raubmilben biologisch bekämpfen.

Erdbeerblütenstecher. Ein kleiner Rüsselkäfer, der in Blütenknospen seine Eier ablegt und die Knospe dann abschneidet. Hängende, abgestorbene Blütenstiele sind das Erkennungszeichen. Dagegen hilft nur: befallene Knospen absammeln und vernichten, den Bestand im Folgejahr an einen neuen Standort verlegen.

Erdbeerfruchtfliege (Drosophila suzukii), auch Kirschessigfliege genannt: befällt reife und überreife Früchte. Reife Früchte täglich ernten, keine überstehenden lassen. Ein früher Erntezeitpunkt hilft mehr als jedes Mittel.

Sortenunterschiede bei der Pflege

Ja. Gerade für Düngung und Ausläufermanagement ist es gut zu wissen, welche Sorte man im Beet hat.

Einmaltragende Sorten wie ‘Elsanta’, ‘Honeoye’ oder ‘Senga Sengana’ blühen und tragen einmalig im Juni oder Juli. Die Erntephase dauert 2 bis 3 Wochen, dann stellt die Pflanze auf Ausläuferbildung um. Für diese Sorten gilt: nach der Ernte kräftig düngen und Ausläufer steuern.

Remontierend tragende Sorten wie ‘Ostara’ oder ‘Evita’ tragen zweimal im Jahr: einmal im Frühjahr und nochmals im Spätsommer. Sie brauchen entsprechend mehr Nährstoffe über die gesamte Saison. Ich dünge remontierend tragende Sorten dreimal: im Frühjahr, nach der ersten Ernte und nochmals Mitte August.

Monatserdbeeren sind kleinfruchtige Walderdbeersorten, anspruchsloser und fast selbstpflegend. Ideal für Beetränder oder unter Bäumen, wo andere Erdbeeren nicht gut wachsen.

Alte, robuste Sorten wie ‘Senga Sengana’ kommen mit weniger Aufwand aus als moderne Hochleistungssorten. Das zu wissen, hilft beim Planen der Jahrespflege.

Boden vorbereiten: jetzt schon an August denken

Wer im August oder September neue Erdbeeren pflanzen will, sollte jetzt im Frühjahr den künftigen Standort vorbereiten.

Erdbeeren wachsen am besten in tiefgründigen, humusreichen Böden mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5. Schwere Lehmböden müssen aufgelockert und mit Sand sowie Kompost verbessert werden. Sandige Böden brauchen mehr Kompost, damit sie Wasser halten.

Die künftige Erdbeerrabatte schon im Frühjahr mit Stallmist oder reifem Kompost einarbeiten: 3 bis 5 Kilogramm Stallmist je Quadratmeter, 20 Zentimeter tief eingraben. Bis August ruht das Beet, zersetzt und setzt sich, dann kann man direkt einpflanzen, ohne nachzudüngen.

Staunässestandorte scheiden aus. Wenn Ihr Boden nach Regen lange nass bleibt: Hochbeet anlegen. Im Hochbeet bepflanzen haben Erdbeeren ausgezeichnete Drainage und erwärmen sich im Frühjahr schneller. Das bringt zwei bis drei Wochen früheren Erntebeginn, je nach Lage.

Erdbeeren im Herbst richtig einwintern

Die Pflege endet nicht mit der Ernte. Was im Herbst getan wird, entscheidet mit über den nächsten Sommer.

Nach der Ernte im Juni oder Juli das Erdbeerlaub bodennah zurückschneiden. Gesunde Blätter dürfen bleiben, altes, fleckiges oder welkes Laub gehört weg. Die Pflanze treibt dann frisches Laub, das robuster in den Winter geht.

Ab Oktober, wenn stärkere Fröste zu erwarten sind, eine dünne Mulchschicht aus Stroh oder Tannenzweigen über die Beete legen. Nicht zu dick, 5 bis 8 Zentimeter reichen. Zu starke Abdeckung verhindert die Luftzirkulation und fördert Fäulnis unter dem Mulch.

Im Gartenkalender November gehört der abschließende Kontrollgang durchs Erdbeerfeld: Schneckeneier unter dem Mulch finden und vernichten, vergreiste Pflanzen markieren für die Frühjahrsrenovierung.

Was die Ernte wirklich ausmacht

Ich sage Ihnen, was ich nach 40 Jahren Erdbeeranbauerfahrung weiß: Der Unterschied zwischen einer mittelmäßigen und einer guten Erdbeerernte liegt selten an der Sorte. Er liegt in den kleinen Dingen.

Altes Laub konsequent entfernen. Zur richtigen Zeit düngen. Gleichmäßig gießen. Ausläufer rechtzeitig kappen oder bewurzeln. Die Pflanzung alle paar Jahre erneuern.

Das klingt nach viel Arbeit. Ist es aber nicht, wenn man es zur richtigen Zeit macht. Im April braucht das Erdbeerfeld zwei Stunden. Wer das versäumt, spart sich zwar die Zeit, aber zählt dann im Juni die enttäuschenden Früchte.

Wer Gemüse düngen und Erdbeeren pflegen versteht, der weiß: Vorsorge schlägt Reparatur. Immer.